11.09.2019

Vom Informationstechnischen Assistenten zum Gründer

Phillip Schulte und Mathias Leonhardt sind die beiden Gründer und Geschäftsführer der P&M Digitalagentur. Kennengelernt haben sie sich während ihrer Ausbildung an der Berufsfachschule Wedel. Später studierten sie an der Fachhochschule Wedel. In diesem Interview sprechen sie über die Anfänge ihrer Zusammenarbeit, die Gründung der Agentur, den Weg zum Erfolg und was die Arbeit bei und mit P&M heute so besonders macht.

Hallo Phillip und Mathias! Schön, dass ihr euch die Zeit genommen habt. Ich würde gerne damit anfangen, dass ihr euch ganz kurz vorstellt und zwei bis drei Sätze zu euch selbst sagt. Fangen wir doch mit dir an, Phillip.
 
Phillip: Ja, gerne. Ich bin Phillip Schulte, 35 Jahre alt, verheiratet. Ich habe Informatik studiert an der FH Wedel und vor sechseinhalb Jahren zusammen mit Mathias das Unternehmen gegründet.
 
Mathias: Ich bin Mathias Leonhardt, 40 Jahre alt, auch verheiratet.
 
Phillip: Und bald wirst du Vater! Darf man das hier sagen?
 
Mathias: Richtig! Das ist mein persönliches Highlight dieses Jahr…
 
Phillip: …neben der Firma. Kommt ganz kurz dahinter…
 
(beide lachen)
 
Okay, dann gehen wir doch einmal zu den Anfängen von P&M zurück. Ihr habt ja gesagt, dass die Gründung jetzt ungefähr sechs Jahre her ist. Ihr habt euch damals im Studium kennengelernt. Wisst ihr noch, wie ihr euch damals kennengelernt habt?
 
Phillip: Naja, wir haben ja zuerst noch PTL gemacht [Private Berufsfachschule PTL Wedel], haben also anfangs noch nicht richtig studiert, sondern eine Berufsausbildung gemacht. Und während der Ausbildung haben wir uns im Englischkurs kennengelernt. Mathias war damals richtig gut und ich war ganz schlecht. Daran kann ich mich gut erinnern. Ich fand das damals schon beeindruckend, wie fleißig er war (lacht). Das war das erste Mal, dass wir uns gesehen haben, oder?
 
Mathias: Ja, richtig. Du hast mal gesagt, ich sei für euch immer der Streber gewesen. Ihr wart für mich immer “die Coolen”, ich wollte immer gerne mal mit euch rumhängen.
 
(beide lachen)
 
Und wie ist es dann dazu gekommen, dass ihr gemeinsam beschlossen habt, eine Firma zu gründen? Das klingt ja jetzt noch nicht so nach…
 
Phillip: … das klingt jetzt nicht so nach Unternehmertypen, ja. Also, da ist auch tatsächlich ein bisschen Zeit ins Land gegangen. Von dem Zeitpunkt, an dem wir uns zum ersten Mal gesehen haben, bis zu dem Zeitpunkt, an dem wir die Firma gegründet haben, sind bestimmt 4-5 Jahre vergangen. Wie es dazu kam? Naja, wir haben uns relativ schnell angefreundet. Und wir haben auch gleich gemerkt, dass das mit uns ganz gut passt. Zum einen charakterlich, aber auch fachlich. Wir waren ungefähr gleichauf – zumindest was den Informatik-Teil angeht. Im Englischen ist Mathias immer noch besser als ich.
Und dann haben wir viel für AstraZeneca gearbeitet. Dort hatte Mathias schon während des Studiums einen Job und irgendwann ist da dann eine Stelle frei geworden. Dort haben wir dann zwei Jahre lang zusammen gearbeitet. Wir haben schnell gemerkt, dass wir uns aufeinander verlassen können und dass wir uns gut ergänzen. Das war im Wesentlichen der Grundstein, aus dem sich der Entschluss entwickelte: Okay, wir können uns auch eine weitere Zukunft zusammen vorstellen. Beruflich…
 
(beide lachen)
 
Mathias: Ja, so war das.
 
Phillip: Wobei es noch einen wichtigen Moment gab. Nämlich als wir eine Anfrage von Libri.de bekommen haben . Im Zuge des Relaunches von Libri.de – das damals auf ebook.de umgebrandet wurde – sollte ein Gewinnspiel programmiert werden. Und zwar ein Pacman-Spiel in der CI von ebook.de. Damals, das ist jetzt 7-8 Jahre her, war die Anforderung noch, das Ganze in Flash umzusetzen. Das macht heute auch keine Sau mehr.
Wir haben dann gesagt: Klar, machen wir! Das war mit ungefähr 10.000€ damals ein verhältnismäßig großer Auftrag für uns. Davor haben wir immer nur freiberuflich und als Werkstudenten gearbeitet, das war also für uns also echt eine große Hausnummer. Das Problem war nur, dass wir keine Ahnung von Flash hatten. Wir hatten noch nie irgendetwas in Flash programmiert. Dennoch waren wir selbstbewusst genug, um zu sagen: Das trauen wir uns zu.
Dann war es tatsächlich so, dass wir tagsüber für AstraZeneca gearbeitet und ein bisschen studiert haben. Und abends, wenn wir so gegen 18 Uhr fertig waren, haben wir uns bei mir in der WG getroffen und an diesem Projekt gearbeitet. Das ging ein bis zwei Monate so, dass wir jeden Abend bis um Mitternacht bei mir saßen und geackert haben. Am Ende des Tages war der Kunde glücklich und alles hat super funktioniert. Das hat uns in dem Gedanken bestärkt,  eine Agentur zu gründen, die solche Dienstleistungen anbietet.
 
Also war euer erstes gemeinsames Projekt ein Spiel. Aber Spiele haben euch dann nicht mehr besonders interessiert, es war eher die Entwicklung an sich?
 
Phillip: Ja. Ich habe früher gerne gespielt und spiele auch jetzt noch ab und zu. Aber Spiele selbst zu entwickeln fand ich immer ätzend. Hohes Risiko, hohe Komplexität und sehr viel Aufwand. Und dann kommt am Ende ein Spiel heraus, was jetzt für die Gesellschaft auch nicht den allergrößten Value hat. Von daher fand ich immer die Projekte, die wirklich etwas bewegen, die Prozesse effizienter gestalten oder irgendwie einen Mehrwert schaffen immer schon interessanter, als reine Unterhaltung zu programmieren.
 
Mathias: Ich fand tatsächlich damals gerade Spiele zu programmieren interessant. Der gesellschaftliche Mehrwert hat mich gar nicht so interessiert, sondern ich war einfach davon fasziniert, durch Programmierung Grafiken zu animieren . Vor allem 3D-Grafiken. Das fand ich total toll, und ich konnte mir damals auch vorstellen, möglicherweise in diese Richtung zu gehen. Hier und da ist uns ein Projekt dieser Art  aber bei P&M auch schon begegnet.
 
Phillip: Spannend fand ich auch immer zu sehen, was für ein Riesenaufwand nötig ist, um eine kleine Animation zu programmieren. Da dachte ich mir eher immer: Puh… nein danke! (lacht)
 
Wie kam es denn eigentlich zu eurem Firmennamen? P&M steht ja für Phillip & Mathias.
 
Phillip: Ja, wie kam es dazu? Also zunächst einmal ist es in der Agenturbranche ja nicht unüblich, dass der Agenturname etwas mit dem Inhaber zu tun hat. Oft sind es aber tatsächlich die Nachnamen, nicht die Vornamen. Warum wir jetzt die Vornamen genommen haben… Wir haben eben ein paar Versionen ausprobiert und P&M klang ganz harmonisch. Es wirkt ja auch etwas nahbarer, wenn es die Vornamen sind und nicht die Nachnamen.
 
Mathias: Ich glaube, wir hatten auch mit Nachnamen experimentiert. Aber wir fanden es wirkte so persönlicher.
 
Phillip: S&L wäre das dann gewesen. Oder L&S, das klingt auch nicht so schön.
 
Mathias: P&M klingt einfach ganz gut und lässt sich gut sprechen. Und P&M ist besser als M&P…
 
(alle lachen)
 
Mathias: Es ist einfach persönlich, ehrlich und direkt. Wir wollten damit auch ausdrücken, dass unsere Dienstleistung die Umsetzung von Anforderungen ist. Wir wollten uns damals nicht Kreativität auf die Fahne schreiben. Wir wollten eigentlich als Programmierer unsere Dienste anbieten. Deswegen war es für uns nicht relevant, einen ausgefallenen, kreativen Namen zu haben. Wir wollten einfach aussagen: Wir können alles programmieren, wir sind Phillip und Mathias, gebt uns eine Aufgabe und wir legen los!
 
Dann machen wir mal einen kleinen Sprung zu heute. Jetzt, nach sechseinhalb Jahren, steht P&M mit 30 Mitarbeitern sehr stabil da. Wie kam das? Wie ging das so schnell und warum funktioniert das bei euch so gut?
 
Phillip: Naja, ein wichtiger Grund ist auf jeden Fall, dass Mathias und ich uns sehr gut ergänzen. Auch charakterlich. Ich glaube, jeder Mitarbeiter kann sich entweder mit mir sehr gut identifizieren oder eben mehr mit Mathias. Bei einem von uns beiden findet auf jeden Fall jeder etwas.
Und dann ist es natürlich auch so, dass die Dienstleistungen, die wir anbieten, gefragter sind denn je. Wir können diverse hochkomplexe Systeme programmieren, und wir können auch beraten. Das gibt es  selten. Entweder hast du wirklich gute Entwickler, die dann wenig Lust auf Kommunikation haben. Oder du hast das totale Kommunikations-Monster, aber da fehlt dann oft ein bisschen das technische Verständnis. Was Mathias und mich auch ausmacht, ist, dass wir beide Bereiche auf einem relativ hohen Level beherrschen. Das hilft natürlich auch, neue Aufträge zu akquirieren.
 
Mathias: Insofern gab die Auftragslage es her, dass wir wachsen konnten. Jetzt bleibt noch die Frage, wie wir von der Mitarbeiterzahl wachsen konnten. Und da war tatsächlich der gute Draht zur Fachhochschule Wedel sehr hilfreich. Ich hatte in der Anfangszeit noch eine halbe Stelle als wissenschaftlicher Mitarbeiter bei der FH Wedel. Dadurch hatte ich immer einen guten Kontakt zu den Studierenden. Hier und da konnte ich immer mal fragen, ob der ein oder andere nicht Lust hat, einen Studentenjob bei uns anzunehmen. Und das sind dann mit der Zeit unsere festen Mitarbeiter geworden. Von den 30 Leuten, die bei uns sind, sind bestimmt 60-70% von der FH Wedel.
 
Phillip: Ein weiterer Grund ist, dass wir immer recht ambitioniert waren. In den ersten zwei Jahren hatten wir etwas Glück, dass wir gleich relativ große Projekte bekommen haben. Im dritten Jahr war es dann allerdings so, dass einer unserer ersten festen Mitarbeiter gegangen ist. Und zwar zu unserem ersten und damals größten Kunden TechnipFMC. Und dann standen wir im dritten Jahr auf einmal mit 7-8 Leuten da und hatten eigentlich keine großen Kunden mehr.
Was haben wir dann gemacht? Wir haben uns ein Buch gekauft. Das hieß “Heiß auf Kaltakquise”, das kann ich nur wärmstens empfehlen (schmunzelt). Wir haben für uns festgestellt, dass es keine gute Strategie ist, nur ein bis zwei Großkunden zu haben, sondern dass wir unseren Kundenstamm diversifizieren müssen. Und dann haben wir tatsächlich angefangen, Kaltakquise zu machen. Seitdem hat sich alles besser entwickelt. Es ging tatsächlich jedes Jahr nur aufwärts. Das war damals auch der Grundstein für dieses breite Spektrum an Dienstleistungen, das uns heute ausmacht.
Und es war der Knackpunkt, an dem wahrscheinlich viele gesagt hätten: Fuck it. Ich lasse mich wieder irgendwo anstellen und das war es dann. Ob ich so etwas noch einmal mitmachen würde, weiß ich nicht. Aber damals war für mich relativ klar, dass es weitergeht und dass wir einfach Gas geben müssen.
 
Das Interview in voller Länge und als Audio-File gibt es auf der Seite der P&M Digitalagentur.